Historie und Neubau im Zusammenspiel

Am Tacheles

Im Herzen Berlins galt es, mit dem Projekt Am Tacheles das gesamte ungenutzte Areal neu zu erschließen und gleichzeitig den historischen Bestand zu bewahren. Daher wurde die Bausubstanz aus den 1920er Jahren etwa durch die Revitalisierung des Kunsthauses Tacheles erhalten und historische Marker wie die Passage mit kreisrundem Platz wieder integriert.

In Kombination mit insgesamt zehn Neubauten wurde letztlich ein Stadtquartier geschaffen, welches neben Wohnungen, Einzelhandel und Büros zusätzlich von begrünten öffentlichen Plätzen durchzogen ist. Nur in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit der Vielzahl an Projekt-, Planungs- und Baubeteiligten konnten die insgesamt zehn Gebäude sowie die Großraumtiefgarage in zwei Teilschritten an die Nutzerinnen und Nutzer übergeben werden.

// Bestandsbau // Neubau // Projektsteuerung // Quartiersentwicklung // Gewerbe // Eigentum
Ansicht der Fassade Am Tacheles, welche im Zuge der Revitalisierung bewahrt wurde
© KVL Group
Aufgabenstellung

Das Gelände um das Kunsthaus Tacheles galt als eine der letzten Stadtbrachen Berlins und sollte nach Jahren der Planung inklusive sich ändernder Besitzverhältnisse zu neuem Leben erweckt werden.

Die finalen Pläne sahen vor, historische Strukturen wie das Kunsthaus und dessen ikonischen Torbogen zu erhalten, verloren gegangene Durchwegungen zu revitalisieren und durch insgesamt zehn Neubauten mit insgesamt über 130.000 m² Wohn- und Büroflächen ein neues Stadtquartier zu schaffen. Der gesamte Gebäudekomplex sollte überdies um eine gemeinschaftliche Tiefgarage ergänzt werden. Eine LEED Platin Zertifizierung „Core and Shell“ sowie ein Zertifikat für Allergiefreundlichkeit der ECARF wurden im Sinne der Nachhaltigkeit angestrebt.

Projektdetails
// BGF:
130.000 m²
// Projektlaufzeit:
04/2016 bis Q4/2024
//
pwr Development GmbH
//
Berlin
// Projektvolumen:
975 Mio. €
Entwicklung

In Berlin Mitte verblieb mit dem Areal um das Kulturhaus Tacheles eine der letzten Stadtbrachen, welche es nach Jahren der Planung zu revitalisieren galt. In der Entwicklungs- und Planungsphase bestand eine besondere Herausforderung darin, dass für das Gelände bereits ein Bebauungsplan vorlag und die jetzige Bauherrschaft den Wunsch äußerte, bei etwaigen Änderungen innerhalb des Bebauungsplans zu bleiben, um ein neues Verfahren zu vermeiden.

Projektplanung

Die finalen Pläne für das Stadtquartier sahen insgesamt zehn oberirdische Gebäude sowie eine sich über alle Gebäude erstreckende mehrgeschossige Tiefgarage vor. Unter der Masterplanung von Herzog & de Meuron waren insgesamt fünf Architekturbüros planerisch beteiligt. Die bauliche Umsetzung erfolgte durch zwei Generalunternehmen. Vor allem oberirdisch wurde mit Nachdruck darauf hingearbeitet, die historischen Strukturen etwa um den Torbogen des Kunsthauses Tacheles zu erhalten sowie verloren gegangene Strukturen wie die Passage mit kreisrundem Platz wieder aufleben zu lassen.

Abseits architektonischer Wünsche standen auch Ziele der Nachhaltigkeit im Fokus. So wurde etwa darauf hingearbeitet, für „Core and Shell“ eine LEED Zertifizierung in Platin zu erhalten, was wiederum maßgeblich Einfluss auf die Wahl der Materialien und Bauweisen haben sollte. In diesem Zuge wurden unter anderem auch begrünte Retentionsdächer realisiert.

Bauphase

Im Jahr 2017 konnte mit der Baugrube begonnen werden, wobei die KVL Group mit Aspekten des Bau-Controllings betraut wurde. Während der Bauphase wurde insbesondere die Komplexität deutlich, zwischen unterirdischer und oberirdischer Planungs- und Bauabfolge die Schnittstellen zu koordinieren. Zusätzlich gab es im Rahmen der Vergabe für den Hochbau unerwartete Probleme, als sich einer der Projektpartner kurz vor Vertragsunterzeichnung zurückzog. Durch diverse Gespräche und Verhandlungen konnte in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten auch diese Hürde genommen und das Areal schlussendlich ab 2024 schrittweise an die Nutzerinnen und Nutzer übergeben werden.

Übergabe

Bis Ende 2024 wurden die letzten Wohnungen fertiggestellt, während parallel die ersten für den Einzelhandel vorgesehenen Flächen übergeben werden konnten. Darüber hinaus konnten die Durchwegungen wie etwa die Passage und der Bernstein-Platz als verbindendes Element der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Im Verlauf erhielt das Stadtquartier für „Core and Shell“ eine LEED Zertifizierung in Platin sowie ein Zertifikat für Allergiefreundlichkeit der ECARF – als erstes städtebauliches Großprojekt überhaupt.

Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass die Umsetzung nicht frei von Kritik war. Während etwa das Kunsthaus Tacheles in der Vergangenheit vor allem für Fringe- und Underground-Kunst stand, stehen mit dem Einzug des Museums Fotografiska auch kommerzielle Aspekte im Fokus. Vor allem ist jedoch der neu entstandene Wohnungsbau Gegenstand der Kritik, da dieser sich ausschließlich im hochpreisigen Segment bewegt. Vonseiten des Bezirks gab es diesbezüglich keine Vorgaben oder Bedingungen.

Nachbereitung

Trotz der Kritik konnte mit dem Quartier Am Tacheles ein verloren geglaubtes Areal revitalisiert und für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dabei konnte nicht nur der ikonische Torbogen des Kunsthauses erhalten bleiben, auch Durchwegungen und begrünte Flächen sichern neue Aufenthaltsqualität.

Im Verlauf wurde deutlich, dass Vorhaben solcher Größenordnungen ein hohes Maß an Planungs- und Steuerungsmaßnahmen erforderlich machen, um die verschiedensten Stakeholder zusammenzubringen.

Unser Learning
Um Großprojekte wie das Stadtquartier Am Tacheles insbesondere aufgrund der Vielzahl an Beteiligten zu realisieren, ist es unabdingbar, mögliche Herausforderungen so frühzeitig und konkret wie möglich zu benennen und partnerschaftlich zu agieren.
Bauzeit
8
Jahre
Volumen
975
Millionen €
Projektbeteiligte
7
Mitarbeitende
Portrait von Kerstin Herzinger, Senior Project Manager am Standort in Berlin und Ansprechpartnerin für das Projekt Am Tacheles
Ich bin für Sie da!
Kerstin Herzinger
Senior Project Manager
herzinger@kvlgroup.com+49 30 254107985